Individuelle fachliche Weiterbildung – quo vadis?



Von André Müller, Gymnasiallehrer an der KS Solothurn und Weiterbildungsdelegierter des VSDL und der wbz-cps



Der Entscheid der Erziehungsdirektorenkonferenz (EDK) im Jahr 2010, künftig die individuelle fachliche Weiterbildung (für Gymnasiallehrpersonen vor allem die Kurse der wbz) auf nationaler Ebene nicht mehr zu subventionieren, wird fatale Konsequenzen haben, wenn die Kantone hier nicht sofort ausgleichen. Die Tabelle gibt einen Überblick über die rasante Entwicklung der Kurskosten bei der wbz-cps:

Die Darstellung zeigt die auf der Basis von 2009 erhobenen durchschnittlichen Kurskosten über alle Fachbereiche hinweg. Aufgrund des EDK-Entscheides ist die wbz nun gezwungen, ihre administrativen Kosten, die bis anhing pro Teilnehmer und Kurs berechnet moderat wurden, gestaffelt über zwei Jahre in Form einer Aministrationspauschale (AMP) unabhängig von Kursdauer und Anzahl der Teilnehmenden zu verrechnen, was zu einer massiven Verteuerung gerade bei ein- bis zweitägigen Seminaren führen wird (Kostenzuwachs um 111% bei eintägigen bzw. 55% bei zweitägigen Kursen).
Der Entscheid der EDK ist nicht an sich schlecht und wurde auch begründet – künftig sollen Doppelsubventionierungen durch Bund und Kantone vermieden werden -, nur haben die Erziehungsdirektoren leider vergessen zu sagen, dass die kantonalen Beiträge an die individuelle Weiterbildung der Lehrpersonen selbstverständlich im entsprechenden Umfang angehoben werden. Mir ist auf alle Fälle bis heute kein Kanton bekannt, der diese Beiträge entsprechend korrigiert hat; mein Erziehungsdirektor hat auf Anfrage von diesem Entscheid der EDK nicht einmal etwas gewusst!
Gefordert sind nun die Kantonalverbände, die in dieser Sache bei ihrer Erziehungsdirektion dringlich vorstellig werden müssen. Es kann und darf nicht sein, dass fortbildungswillige Lehrpersonen künftig so massiv persönlich zur Kasse gebeten werden oder man erklärt allen Ernstes den Tod der fachlichen Weiterbildung für Gymnasiallehrerinnen und -lehrer.
Als Weiterbildungsdelegierter für den Fachbereich Deutsch befinde ich mich nun in der paradoxen Situation, Weiterbildungsseminare für das Jahr 2012 zu entwickeln, aber nicht davon ausgehen zu können, dass die neuen Bedingungen es den Lehrpersonen erlauben werden, diese auch zu besuchen.